Reports and Responses to Cultural Trauma Workshop

“I love when people think outside the box, and forge new ground in sexuality workshops.  This is a one of a kind! as far as I know…A lot of my early SM was definitely holocaust inspired, and I never could quite figure that one out.  I was VERY confused when I visited Auschwitz.  Glad someone is working on this.    And to use the two languages.  Wow.” Annie Sprinkle

Bericht von Irmela Kästner (Director of Dance Initiative Hamburg):

Erotische Praxis und tödliches Horrorszenario? Eine heftige Diskussion entbrennt sogleich am Kaffeetresen des Veranstaltungsortes schwelle7 als ich erwähne, dass ich mich ausgerechnet für diesen Workshop interessiere.
„Wie kann etwas Schönes, Lebens bejahendes wie die Sexualität mit nazistischen Vernichtungsszenarien in Verbindung gebracht werden?“ , macht ein Teilnehmer seiner Empörung Luft. Eine offen praktizierte kontroverse Diskussionskultur, die mir gleich zu Anfang positiv auffällt, ist Teil des Programms. Und das SM-Spiel mit Themen zu kulturellen Traumata, wie Rassismus, Sklaverei, Folter, Genozid, Krieg, ist denn auch unter „Experten“, wie ich später in der angegebenen Literatur nachlese, höchst umstritten.

Peter Banki, der Leiter des Workshops und Doktorand in Philosophie und Literatur an der Universität New York, ist jüdisch. Diese Möglichkeit hatte ich, ehrlich gesagt, nicht Erwägung gezogen. Die Diskutanten am Kaffeetresen auch nicht. Eine neue Perspektive tut sich auf und gleichzeitig erschrecke ich darüber, wie eng und eingleisig sich der Blickwinkel auf Schuld und Macht, Opfer und Täter in Bezug auf den Holocaust in unser kulturelles Gedächtnis eingeschrieben hat und automatisch Reaktionsmuster auslöst. Banki selbst findet einen bemerkenswerten Zugang, sich seinem Thema zu nähern. Er führt seinen Workshop gleich zweimal durch. Zuerst in deutsch, der Sprache des Terrors, der Sprache der Verlierer. Dann in englisch, der Sprache der Sieger und Erlöser, Sprache der Globalisierung, die sich mittlerweile gegen alle Sprachen in der Welt durchgesetzt hat. An den Beginn des Workshops stellt Banki persönliche, sexuelle Erfahrungen, in deren Zuge Gedanken an das Thema Holocaust aufflackerten. Eher fragend als wissend, keineswegs verallgemeinernd. Eine vorsichtige Verbalisierung von etwas gemeinhin Unaussprechlichem. Für Banki bedeutet es, mehr noch als ein „Verstehen und das Bemühen um Verstehen, die Auseinandersetzung mit Nicht-Verstehen, Unsicherheit und Selbst-Unsicherheit.”

Es ist ein Experiment, im Vertrauen auf die Teilnehmer. Offen erzählt Banki über seine Phantasien, über die Lust am SM-Spiel, die er in sexuellen Begegnungen mit deutschen Frauen verspürte. Und ausagierte. Er als der Unterlegene. Seine Erzählweise lässt den Horizont des Literaten und Philosophen erkennen, eher romantisch als, wie vielleicht vermutet, im Stil De Sade’scher Grausamkeit, und erschöpft sich nicht in Bettkantengeplauder.

Eine unterstützende bis gespannte Aufmerksamkeit herrscht unter den Teilnehmern, die kaum Wortbeiträge beisteuern. Bis eine Teilnehmerin das Thema öffnet und von einer Beziehung zu einem jüdischen Mann erzählt, von ihrem vergeblichen Ringen um Gleichberechtigung als nicht jüdische Frau. Und damit gewinnt der Gegenstand, der nicht allein die Auseinandersetzung in diesem Seminar sondern innerhalb des gesamten Symposiums bestimmt, deutliche Kontur: Es geht um die Strukturen von Macht, um deren Kommunikation und Transformation. Im „Spiel „ wie im Leben.

In der anschließenden Partner-Improvisation entlädt sich die Spannung, tritt das emotional dynamische Potential, das die verbale Erörterung der Thematik angestoßen hat, an die Oberfläche. Spielerisch begeben wir uns in ein physisches Szenario von Dominanz und Unterwerfung, ohne konkrete Bilder oder Themen zu benennen. Der Energielevel ist hoch, kraftvoll, sehr direkt, roh und manchmal ruppig entwickeln sich die Begegnungen. Ich bin erstaunt und anfangs irritiert darüber, wie viel Kraft, Energie, Lust und Sicherheit ich aus der selbst gewählten „Opfer“-Rolle schöpfe. Im Anschluss führe ich ein interessantes Gespräch mit meinem Partner über unerwünschte Befreiungsaktionen, nachdem ein selbst ernanntes „Rollkommando“ versucht hatte, die jeweils Unterlegenen in den Spiel-Interaktionen ihren Partnern zu entreißen. Die Holocaust-Thematik in dieses öffentliche Spiel zu bringen, war für alle Teilnehmer ein zu großes Tabu, das Trauma der eigenen Geschichte ein zu großer Horror. Gerade deshalb ein Dank an Peter Banki für seinen Mut, nicht die Schranken des Horrors einzureißen, sondern behutsam den Blick dahinter auf unsere Schatten zu werfen.

Peter Banki:

Holocaust Eros Cultural Trauma (this is unfinished for me)

This was something I had to do. I remember trembling when I wrote the first sentence. The question/topic insisted.

I found my voice speaking German.

The Holocaust is already erotic. (It is not eroticized, it is already erotic.) The section from Jean Améry on torture, when he says to read Bataille, when he describes the operation on the gas chamber. The story about Moll in Eyewitness Auschwitz by Filip Müller, the sexual thrill of killing the naked women before the pit on fire.

People whose play takes its script from grand historical trauma. For me, it wasn’t like that. It was not a planned choice. The Holocaust was already there in my erotic life. […]

I found my German. A certain confidence and authority to speak in German.

Beginning to write different texts. Research plus testimony.